Praxistalk

05. September 2024

Die Sprache der Leber

Ausflug in die Stadt

Die Leber besitzt keine eige­nen Schmerzrezeptoren. Das bedeu­tet, dass die Leber selbst keine Symptome zeigt, auch wenn es ihr nicht gut geht. Wie weiss ich nun, ob meine Leber eine Unterstützung nötig hat? Dafür müs­sen wir die Sprache der Leber kennen.

Die Wichtigkeit der Leber wird uns bewusst, wenn wir uns die Leber als einen “bio­lo­gi­schen Filter” eines kom­ple­xen Ökosystems vor­stel­len. In die­sem Ökosystem, ver­gleich­bar mit einer Stadt, sind ver­schie­dene lebende Organismen, wel­che einen eige­nen Stoffwechsel besit­zen, selb­stän­dig Energie erzeu­gen, Abfallstoffe aus­schei­den und eigene Fähigkeiten/Funktionen besit­zen, was ihnen eine bestimmte Aufgabe/Funktion zur Mitwirkung in die­sem Ökosystem zuteil­wird. Je bes­ser das gesamte Klima in die­ser Stadt ist, desto bes­ser geht es allen Lebewesen darin, logisch. Denn wenn alle Lebewesen sau­bere Luft atmen kön­nen, genug zu essen haben und sich frei bewe­gen kön­nen, wirkt sich das posi­tiv auf die Gesundheit jedes ein­zel­nen aus.

Die Leber, wie bereits oben erwähnt, dient dabei als Bio‐Filter in die­ser Stadt. Sie ist dafür zustän­dig, die­ses gesamte Klima auf­recht­zu­er­hal­ten, indem sie sämt­li­che krank­ma­chende Bestandteile raus­fil­tert, was die­ses Ökosystem gefähr­den könnte. Zur Hilfe kommt ihr noch die Polizei (Immunsystem) und die Müllabfuhr (Lymphsystem), doch die Hauptaufgabe bleibt bei ihr alleine.


Doch das ist noch nicht alles. Sie fun­giert auch als Stoffwechselorgan, als Speicher für Vitalstoffe wie Vitamine, Aminosäuren, Eisen etc., als Verdauungsdrüse, als Immunaufbereitung und noch vie­les mehr. Über 500 Funktionen wer­den heute der Leber zuge­schrie­ben und die Wissenschaft fin­det immer noch wei­tere. Was pas­siert also, wenn der Multifunktion‐Bio‐Filter am Anschlag oder gar kaputt ist? Richtig, die Lebensqualität in der Stadt nimmt dras­tisch ab. Die einen Teilnehmer im System trifft es schlim­mer als andere, doch alle lei­den unter die­sem Klima. Das ist der Grund, warum die Leber ent­schei­dend für die nach­hal­tige Gesundheit des gan­zen Systems ist.

5 Zeichen einer angeschlagenen Leber

Um her­aus­zu­fin­den wie es um deine Leber steht, kannst du, nicht wie bei ande­ren Organen, Rückschlüsse aus loka­len Beschwerden oder Schmerzen zie­hen. Anders gesagt, nur wenn du nichts von dei­ner Leber merkst, heisst das nicht, dass es ihr gut geht. Eine ange­schla­gene Leber kom­mu­ni­ziert über das System mit ihren Teilnehmern. Schauen wir uns fünf typi­sche Zeichen einer ange­schla­ge­nen Leber an:

① Müdigkeit / Erschöpfung

Bereits bei die­ser Herleitung wird die Funktionsvielfalt der Leber sehr deut­lich. Die Leber ist ver­ant­wort­lich für die Entgiftung von Schadstoffen und Abfallprodukten im Körper.


Wenn sie diese Funktion nicht rich­tig erle­di­gen kann, kön­nen sich diese Toxine ansam­meln, was zu Müdigkeit und all­ge­mei­nem Unwohlsein füh­ren kann.

Als Stoffwechsel‐ und Speicherorgan zer­legt sie Kohlenhydraten, Fetten und Proteinen zu Nährstoffen wie Vitamine, Mineralstoffe, Aminosäuren, etc. und stellt diese dem Organismus zur Verfügung oder spei­chert diese für spä­ter ab. Eine beein­träch­tigte Leberfunktion stört die­sen Prozess, was einer­seits die Energieproduktion stört und ande­rer­seits zu Mängeln bestimm­ter Nährstoffe führt. Wird die­ser Zustand nicht unter­stützt führt dies zu Müdigkeit und lang­fris­tig zur Erschöpfung.

Im Hormonhaushalt trägt die Leber zur Regulation und Abbau von Hormonen bei. Bei einer Leberdysfunktion wird die­ses Gleichgewicht gestört, was einen Mehraufwand von Energie kos­tet und diese im Alltag anschlies­send fehlt.

Langanhaltende Leberprobleme füh­ren zu Entzündungen, was das ganze System belas­tet und eben­falls den Energieverbrauch erhöht, da das Immunsystem dau­ernd aktiv sein muss, was schluss­end­lich als Energielosigkeit wahr­ge­nom­men wird.

② Verdauungsbeschwerden

Die Leber pro­du­ziert Galle, eine Flüssigkeit, die in der Gallenblase gespei­chert wird und bei Bedarf in den Dünndarm abge­ge­ben wird. Galle ent­hält Gallensäuren, die aus Cholesterin gebil­det wer­den. Diese Gallensäuren sind ent­schei­dend für das Emulgieren von Fetten, was bedeu­tet, dass sie grosse Fett‐Tröpfchen in klei­nere Tröpfchen (Fettsäuren) auf­spal­ten. Dies erhöht die Oberfläche der Fette und erleich­tert deren enzy­ma­ti­sche Verdauung, sodass diese in den Körper auf­ge­nom­men wer­den können.Bei der Verar­bei­tung von Fetten und deren Abbau kön­nen auch toxi­sche Substanzen ent­ste­hen, die von der Leber ent­gif­tet wer­den müs­sen. Die Leber sorgt eben­falls dafür, dass schäd­li­che Substanzen abge­baut und aus dem Körper ent­fernt wer­den.
Können diese Prozesse nicht sau­ber durch­ge­führt wer­den, blei­ben unge­wünschte Partikel im Darm, was den Verdauungsvorgang stört und zu fol­gen­den Verdauungsbeschwerden füh­ren kann:

  • Übelkeit / Erbrechen Bauchschmerzen oder ‑krämpfe
  • Völlegefühl / Blähungen
  • Flatulenz
  • Durchfall oder Verstopfung
  • schlei­mi­ger Stuhlgang
  • hel­ler Stuhlgang

Alltagstipp:
Eine vitale und funk­tio­nie­rende Verdauung ist weit­ge­hend unauf­fäl­lig. Sie zeich­net sich mit regel­mäs­si­gen und ange­neh­men Stuhlgang aus und lässt

sich prima am WC‐Papier ver­brauch bemes­sen. Wenig bis kein WC‐Papier bedeu­tet gut bis sehr gut. Grosser Papierverbrauch, na ja bis drin­gen­den Handlungsbedarf.

③ Schlafstörungen

Nachts um 1 bis 3 Uhr ist die Leber beson­ders aktiv. In die­sem Zeitraum arbei­tet die Leber auf Hochtouren, um Schadstoffe und die über den Tag ent­stan­dene emo­tio­nale Reize abzu­bauen und über andere Organsysteme (Nieren, Darm, veg. Nervensystem) abzu­lei­ten. Ist die abzu­bau­ende Last jedoch grös­ser als die Leber nor­ma­ler­weise abbauen sollte oder die Funktion der Leber ein­ge­schränkt, ist es mög­lich, dass die Leber unse­ren Schlaf stört und wir oft in die­ser Zeitrange erwachen.

Wie bereits bei der Müdigkeit erwähnt, hat die Leber beim Abbau von Hormonen ent­schei­den­den Einfluss auf das Hormonsystem. Ist diese Regulation gestört, kann es zu einer Dysbalance im Schlaf‐Wach‐Rhythmus kom­men, was zu Unterbrechungen im Schlafzyklus bedeu­ten kann.

④ Gewichtszunahme / ‑stagnation

Eine wei­tere Aufgabe der Leber ist es, Albumin zu pro­du­zie­ren. Albumin ist ein wich­ti­ges Protein, wel­ches den osmo­ti­schen Druck im Blut auf­recht­erhält, was bedeu­tet, dass die Flüssigkeitsmenge im Blut (Kapillaren) und dem Gewebe im rich­ti­gen Mass auf­recht­erhal­ten wird. Kann die Leber bei einer Störung nicht genü­gend Albumin pro­du­zie­ren und in den Blutkreislauf abge­ben, führt dies zu einem Abfall des osmo­ti­schen Drucks im Blut, wobei ver­mehrt Flüssigkeit aus den Gefässen in das Gewebe aus­tritt. Dabei kön­nen fol­gende Symptome entstehen:

  • Gewichtszunahme und mehr Wassereinlagerung
  • diese Flüssigkeitsansammlungen führt meis­tens zu Ödemen in den Extremitäten
  • bei fort­ge­schrit­te­ner Lebererkrankung führt dies zu einer Feuchtigkeitsansammlung in der Bauchhöhle (Aszites), was drin­gend ärzt­lich abge­klärt wer­den sollte

Wie bereits oben erwähnt hat die Leber mit dem Abbau von Hormonen direk­ten Einfluss auf den Hormonhaushalt, wel­cher nebst dem Nervensystem

der wich­tigste Regulator für den gesam­ten Organismus ist. Eine ver­än­derte Hormonsituation kann eben­falls eine ver­mehrte Wassereinlagerung bewir­ken oder den Stoffwechselzyklus stö­ren, was eine Gewichtsabnahme stark erschwert.

⑤ Emotionales Ungleichgewicht

Emotionen (lat. ex (her)aus, movere bewe­gen) sind innere Empfindungen, wel­che über Gefühle sub­jek­tiv wahr­ge­nom­men wer­den und kör­per­li­che Reaktionen, wie Herzklopfen, Schwitzen, mus­ku­läre Verspannung, Dopaminausschüttung etc. auslösen.

Kann die Leber nicht alle Giftstoffe aus dem Blut her­aus­fil­tern, gelan­gen diese in den Organismus, wobei sie das emp­find­same Milieu stö­ren. Beispielsweise kön­nen Toxine das Gleichgewicht von Neurotransmittern, also che­mi­schen Botenstoffen im Gehirn und Nervensystem, wesent­lich beein­flus­sen, was zu Stimmungsschwankungen, erhöh­ter Reizbarkeit oder depres­si­ven Zuständen füh­ren kann. Jeder kennt wahr­schein­lich aus eige­ner Erfahrung, wie starke innere Gefühle sich auf unse­ren Alltag aus­wir­ken und uns selbst oder auch andere um uns herum belas­ten können.

In der tra­di­tio­nel­len Heilkunde, wie auch in ande­ren kom­ple­men­tär Praktiken, ist das Wissen über die kon­sen­su­elle Beziehung von Organen und Emotionen all­seits bekannt und in der täg­li­chen Anwendung. Der Leber wird der Sitz der “gesun­den Aggression” nach­ge­sagt, wel­che für Entschlusskraft, Selbstvertrauen, Kreativität, Kühnheit und Selbstachtung steht. Also eine posi­tive Kraft, wel­che uns tätig wer­den las­sen, uns ent­schei­dend nach vorne bringt, unsere Ziele und Wünsche umsetzt, aber auch uns schützt und NEIN! sagt.
Fehlt jedoch die natür­li­che Regulation der Leber, wird die­ses Energiepotential destruk­tiv und Wut, Ärger und Frustration macht sich breit. Gepaart mit der, meist bereits bestehen­den Energielosigkeit, wird der Alltag zur immer wie­der­keh­ren­den Problemzone. In die­sem Zustand tref­fen wir den gan­zen Tag nur auf “Vollidioten” und “Ignoranten”, wel­che einem das Leben noch schwie­ri­ger machen. Der Chef hat keine Ahnung und trifft wie­der die fal­sche Entscheidung. Zu Hause sind die Kinder laut und machen nur “sinn­lose und kin­di­sche” Dinge und die Partnerin möchte auch noch über das Problem spre­chen, was wir schon X‑Mal ange­schaut haben…
Findet die­ses nega­tive Energiepotential kein Ventil, in Form von Wutausbrüchen, ver­let­zen­den Anschuldigungen oder sich selbst schlecht zu reden, son­dern wird alles her­un­ter­ge­schluckt oder ein solch ener­gie­rau­ben­der Zustand zieht über län­gere Zeit, stellt sich irgend­wann die Resignation ein, was zu immer mehr Rückzug und Isolation füh­ren kann. Angestaute Wut und Ärger mani­fes­tie­ren sich wie­derum in der Leber, was sie zusätz­lich belas­tet und die Spirale wei­ter nach unten treibt.

Zur Erinnerung:
Die Leber muss ALLES ent­gif­ten! Nicht nur die stoff­li­chen Nahrungsbestandteile und krank­ma­chende Parasiten, son­dern auch alle anfal­len­den Emotionen und Gefühle, wie auch Eindrücke und Reize des gesam­ten Tages.

Das Gute zum Schluss

Wer bis hier­her gele­sen hat, ist wahr­schein­lich nicht mehr über­rascht zu hören, dass bei einer natur­heil­kund­li­chen Behandlung die Behandlung der Leber sehr oft in einem Therapiekonzept ent­hal­ten ist. Denn die gute Nachricht ist, der ganze Mechanismus kann auch umge­dreht wer­den. So viel­zäh­lig die Leber für krank­hafte Zustände ver­ant­wort­lich ist, sie kann the­ra­piert und auf Vordermann gebracht wer­den. Die Leber ist sehr rege­ne­ra­tiv und anpas­sungs­fä­hig. Wichtig dabei ist, dass vor­gän­gig eine gründ­li­che Abklärung und Bestandsaufnahme gemacht wird, damit fest­ge­stellt wer­den kann, wel­che Organe und Organsysteme unter­stützt wer­den müs­sen, mit dem Ziel, die eige­nen Selbstheilungskräfte opti­mal ankur­beln zu kön­nen. In der TEN (Traditionelle Europäische Naturheilkunde) haben wir ver­schie­dene Diagnosemittel, um dies fest­zu­stel­len, so bei­spiels­weise die Irisdiagnose, die Puls‐ und Zungendiagnose, das unter­su­chen der Reflexzonen und wei­tere. Über die Irisdiagnose und ihre Möglichkeiten habe ich bereits einen Beitrag erstellt. Schaue ihn dir gerne an.
Wenn du dei­ner Leber etwas Gutes tun willst oder du an oben genann­ten Symptomen lei­dest, kön­nen wir gerne einen Termin ver­ein­ba­ren und deine Situation ana­ly­sie­ren, um das für dich pas­sende Leber‐Konzept zu erstellen.

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